Tanzworkshop „Mixed-Abled“: Spinnenhände auf weißem Vinyl

Tanzworkshop „Mixed-Abled“: Spinnenhände auf weißem Vinyl

„Mixed-Abled“ ist eine Tanzform, die Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenführt. Individuelle und auch fremde Bewegungen werden ausprobiert und in einer gemeinsamen tänzerischen Gestaltung zusammengeführt. Im Rahmen des Tanzfestivals Bielefeld fand Ende Juli ein „Mixed-Abled“-Workshop statt, an dem Menschen aus Bethel teilgenommen haben.

Therese Banzhaf (v.l.), Jessika Sperlich und Anna Maria Schleicher präsentieren ihre kleine Choreografie vor der Gruppe.

Leise Musik setzt ein. Ruhige Klänge formen langsam eine Melodie. Anna Maria Schleicher und Jessika Sperlich sitzen nebeneinander auf dem weißen Vinyl-Boden des DansArt Studios in Bielefeld. Langsam und bedächtig lässt Anna Maria Schleicher die Finger ihrer rechten Hand wie eine Spinne den linken Arm hochwandern. Jessika Sperlich schaut zu ihrer Kollegin, orientiert sich an ihren Bewegungen. „Es geht um die Vielfalt körperlicher Bewegungsqualitäten und die Erweiterung des eigenen Repertoires“, erklärt Christina Zajber, die den Workshop gemeinsam mit Choreografin Gitta Roser geleitet hat. Innerhalb einer Woche erarbeiteten die 16 Teilnehmer mit ihren beiden Dozentinnen eine Choreografie, die am Ende des Workshops Teil der großen Abschlussaufführung des Tanzfestivals war.

Die Teilnehmer probieren individuelle und fremde Bewegungen aus.

Tempowechsel und Dynamik

Christina Zajber sitzt auf Grund einer Muskelerkrankung im Rollstuhl. Zur Übung und um die Bewegungsvielfalt von Menschen mit Behinderungen deutlich zu machen, gibt sie an diesem Vormittag den Tänzern eine Bewegungsabfolge vor. Dabei spielen vor allem ihre Hände eine große Rolle. Inspiriert von den Bewegungen, überlegen sich die Teilnehmer eigene kleine Bewegungsabfolgen. Anna Maria Schleicher und Jessika Sperlich arbeiten vor allem mit Tempowechseln und Dynamik. Auf langsame und zarte Bewegungen wie die wandernden Finger folgen ruckartige, schnelle Gesten. Plötzlich fallen ihre Hände mit einem Knall auf den glatten Boden. Im zweiten Schritt der Übung gesellt sich eine weitere Teilnehmerin dazu. Gegenseitig eignen sie sich ihre Bewegungsabfolgen an und finden passende Übergänge. Eine kleine Choreografie am Boden entsteht. „Es ist schwierig, die Bewegungen der anderen nachzumachen, aber es macht viel Spaß“, sagt Jessika Sperlich, die in ihrer Freizeit bei den Tagesgestaltenden Angeboten Adullam Hip Hop tanzt. Hoch konzentriert schaut sie sich die Bewegungen ab. Wenn etwas nicht sofort klappt, unterstützen ihre beiden Mittänzerinnen sie bei den kleinschrittigen Gesten.

Die Gruppe erarbeitet eine Choreografie für die Abschlussveranstaltung.

Der „Mixed-Abled“-Tanzworkshop ist eine Kooperation der Neuen Schmiede und des Bewegungs- und Sporttherapeutischen Dienstes (BSD) in Bethel, des Kulturamts Bielefeld und des DansArt Studios Bielefeld. „Es war toll. Alle Teilnehmer waren begeistert, vor allem nach dem Jubel des Publikums bei der Abschlussveranstaltung“, so Annette Grun vom BSD, die den Workshop mitorganisiert hat. Dozenten, Organisatoren und Teilnehmer sind sich einig: Nächstes Jahr wieder!

Fotos: Reinhard Elbracht.

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