Mit einem Topflappen fing alles an

Mit einem Topflappen fing alles an

Astrid Wieneke hat im Berufsbildungswerk Bethel (BBW) eine Ausbildung als Polster- und Dekonäherin gemacht. Im vergangenen Jahr legte sie ihre Abschlussprüfung ab. Jetzt wurde die 25-Jährige ausgezeichnet: Astrid Wieneke ist nun die bundesweit beste Polster- und Dekonäherin 2015.

Zwei Jahre dauerte ihre Vollausbildung in dem Bielefelder Berufsbildungswerk. Die Einrichtung unterstützt junge Menschen, damit sie eine gute Berufsausbildung absolvieren können. „Astrid versteht schnell und ist handwerklich stark“, lobt BBW-Mitarbeiterin Michaela Menzel, die Astrid Wieneke in ihrer Ausbildungszeit bis zu ihrem IHK-Prüfungszeugnis betreut hat. Direkt nach ihrem Einser-Abschluss hat Astrid Wieneke eine Stelle in den Bielefelder Werkstätten gefunden. Die Arbeit in dem renommierten Tochterunternehmen von JAB Anstoetz, einem exklusiven Stoff- und Möbelhersteller mit Sitz in Bielefeld, konnte sie bereits in einem Praktikum während ihrer Ausbildung kennen lernen.

Michael Rehkämper und Michaela Menzel (r.) haben Astrid Wienekes Berufseinstieg vorbereitet und begleitet

Michael Rehkämper und Michaela Menzel (r.) haben Astrid Wienekes Berufseinstieg vorbereitet und begleitet

Gut vorbereitet im BBW

In der großen Fertigungshalle rattern die Näh- und Kettelmaschinen. Hier ist der Arbeitsplatz von Astrid Wieneke. Die junge Frau lässt sich von den Geräuschen nicht stören und näht konzentriert an einer beigefarbenen Husse, die bald einen Beistellsessel umkleiden wird. Sofa, Chaiselongue oder Loungechair – auf dem Tisch von Astrid Wieneke entstehen textile Anteile für verschiedene Sitzmöbel. Deshalb sind Keder-, Zier- und Kappnähte auch keine Fremdworte für die junge Frau, die im BBW in Bethel auf ihre Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vorbereitet wurde.

Astrid Wieneke wollte gerne eine qualifizierte Berufsausbildung machen, aber nach einer Pause im Anschluss an die Schule war das nicht einfach. Das Arbeitsamt vermittelte ihr schließlich einen Ausbildungsplatz im BBW. In der Bildungseinrichtung nähte sie Hussen und Polsterbezüge, aber auch Gardinen für das angeschlossene Internat, in dem sie lebte. Der Wechsel in ein Unternehmen sei eine große Umstellung für sie gewesen. „Aber ich wurde super aufgenommen. Wenn ich eine Frage habe, werde ich nie abgewiesen“, lobt sie ihre rund 20 Kolleginnen. Das Miteinander der Mitarbeitenden in den Bielefelder Werkstätten ist auch Abteilungsleiter Michael Rehkämper wichtig: „Das gute Arbeitsklima liegt unter anderem daran, dass wir im Stundenlohn fertigen“, ist er sich sicher, denn das branchenübliche Akkordsystem fördere Konkurrenzverhalten.

 „Den ganzen Tag am Computer sitzen? Furchtbar langweilig!“

Mit einem Topflappen fing alles an: „Meine Mutter und Oma haben genäht. Ich habe dabei oft zugesehen und mit acht Jahren dann selbst angefangen“, erinnert sich Astrid Wieneke. Als später andere Handarbeitstechniken, wie Stricken oder Häkeln, hinzukamen, dachte sie zum ersten Mal daran, aus dem Hobby irgendwann einen Beruf zu machen. Denn in einem Büro zu arbeiten wäre für sie ein „Graus“. „Den ganzen Tag am Computer sitzen? Furchtbar langweilig!“, sagt Astrid Wieneke und schüttelt entschlossen den Kopf.

 

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